Argumente die für und dagegen sprechen, dass Web 2.0 die neue Internet-Blase ist.
Angesicht der neuen Internet Euphorie ist das eine berechtigte Frage. Spätestens seit der Übernahme von YouTube durch Google für 1,6 Milliarden US-Dollar ist klar, dass ein neues Zeitalter des Internets angebrochen ist. Es nennt sich Web 2.0 und besteht aus Blogs, User Generated Content und Social Networks. Die Entwicklung zeigt ähnliche Strukturen wie die dotcom Blase aus dem Jahr 2000. Die Übernahmen von Start-Ups zu meist enormen Summen nehmen kontinuierlich zu. Es fließt auch wieder erstaunlich viel Venture Capital in neue Web-Unternehmen. Der CEO von Time Warner, Richard Parsons, äußerte sich jüngst besorgt: "Wir könnten uns durchaus in einer zweiten Internetblase befinden. " Der Chef des Medienkonzerns sieht Gefahren in Nachahmern: "Doch wer garantiert, dass nicht morgen ein anderes Unternehmen kommt, das eine neue Internetseite aus dem Boden stampft, wo jeder hinrennt?"
Aspekte für eine Web 2.0 Blase
Ich möchte hier einige Aspekte aufführen, die meiner Meinung nach für die Web 2.0 Blase sprechen.
1. Beliebte Web-Unternehmen ohne Geschäftsmodell.
Wie will Google mit YouTube eigentlich Geld verdienen? Das Unternehmen wirft, wenn überhaupt, nur sehr magere Gewinne durch Werbung aus. Es fehlt ein solides Geschäftsmodell. Ähnlich ist es bei anderen Web 2.0 Seiten. Die Ideen sind meist spitze, aber Geld verdienen lässt sich damit meist nicht. Ob man solche Projekte nur durch die derzeitige Online Werbung finanzieren kann ist fraglich. Es müssen neue Ansätze her.
2. Übernahmen werden mit Aktien bezahlt.
Obwohl Unternehmen wie Google 10 Milliarden US-Dollar in bar haben, werden Übernahmen meist mit Aktien finanziert. Wirtschaftlich ist das relativ riskant anzusehen, da Aktienkurse schnell und unerwartet einbrechen können.
3. Viele Konkurrenz Produkte.
Allein auf dem Video Markt treiben sich etliche Unternehmen rum. Ideen wie MySpace und YouTube sind relativ einfach zu kopieren. Internet Benutzer sind auch nicht wirklich treue Wesen. Sollte es ein besseres Angebot geben, warum beim alten bleiben?
Aspekte gegen eine Web 2.0 Blase
Andererseits gibt es auch Argumente dafür, dass sich Web 2.0 um einiges länger halten wird und nicht in einer zweiten dotcom Pleite mündet.
1. Die Großen haben aus der dotcom Pleite gelernt.
Unternehmen sind bei der Wahl ihrer Übernahmen vorsichtiger geworden. Es wird nicht mehr jedes x-beliebige Start-Up gekauft, die Ansprüche haben sich erhöht. Das zu schluckende Unternehmen muss einigermaßen in das Firmen Portfolio passen und das bestehende Unternehmen ergänzen. Aussichten auf Gewinne spielen eine große Rolle. Es wird auch an Weiterentwicklung von Diensten gedacht, wie etwa Google mit ihren web basierenden "Office" Produkten.
2. Start-Ups wollen nicht an die Börse.
Die Motive von Start-Ups sind im Gegensatz zum dotcom Hype nicht unbedingt einen Börsengang anzustreben. Vielmehr wird auf eine Übernahme durch einen Großen gehofft. Sie haben erkannt, dass man auch dadurch reich werden kann, wenn man sein innovatives Unternehmen für eine große Summe verkauft.
3. User Generated Content
Ein entscheidendes Merkmal des Web 2.0. Der Benutzer integriert sich aktiv in Communitys und produziert Inhalte in Form von Texten, Bildern oder Videos. Anstatt ein Produkt zu verkaufen, müssen die Betreiber einer Web 2.0 Plattform die eigenen Website so gut es geht verkaufen und verwalten. Stichwort soziale Netzwerke. Alles wird vernetzt und für jeden verfügbar. Eine noch nie dagewesene Entwicklung.
4. Günstigere Entwicklungskosten und bessere Einnahmequellen
Im Gegensatz zum Jahre 2000 und davor ist es um einiges billiger geworden ein Web Projekt auf die Beine zu stellen. Die Hardware Kosten sinken kontinuierlich, so dass es nicht überrascht, wenn erfolgreiche Projekte von Schülern oder Studenten kommen, die über wenig finanzielle Mittel verfügen. Open Source Software verstärkt diesen Effekt noch. Online Werbung wie Google AdSense hat sich als besonders gute Einnahmequelle entpuppt. Es ist heute um einiges einfacher im Internet Geld zu machen als noch vor 6 Jahren.
Positives Fazit
Die Zeichen stehen gut, dass wir uns noch einige Zeit beruhigt zurücklehnen können. Eine ständige Weiterentwicklung vorausgesetzt hat das Web 2.0 das Potential lange erhalten zu bleiben und sogar nicht in einem Gau zu enden. Es wird mit Sicherheit einige Verlierer geben, das Internet ist ein hart umkämpfter Markt. Letztendlich sollten Unternehmen wie Google und Yahoo Rückschläge und Risiken in Kauf nehmen, den die Möglichkeiten des neuen Webs sind noch lange nicht ausgeschöpft und wir können uns auf eine spannende Zukunft freuen.